Test
Panikattacke I – Im Supermarkt
Ich stehe vor dem Regal und weiß plötzlich nicht mehr, was ich hier wollte.
Die Verpackungen verschwimmen. Zu viele Farben. Zu viele Geräusche. Ein Piepen von irgendwoher, ein Wagen, der gegen Metall stößt. Mein Herz schlägt einmal zu hart.
Dann noch einmal.
Okay, denke ich. Ruhig bleiben.
Mein Brustkorb zieht sich zusammen, als würde jemand langsam einen Gürtel enger schnallen. Ich atme ein. Zu kurz. Atme noch einmal. Noch kürzer.
Was, wenn das hier passiert?
Was, wenn ich umfalle?
Meine Hände werden kalt. Meine Finger fühlen sich fremd an, wie nicht zu mir gehörend. Ich bewege sie, nur um zu prüfen, ob sie noch da sind.
Der Boden fühlt sich weit weg an. Mein Körper auch.
Ich will den Wagen stehen lassen, aber der Gedanke daran, aufzufallen, hält mich fest. Also bleibe ich. Starre. Versuche, normal auszusehen.
Mein Herz rast jetzt. So schnell, dass ich denke, es könnte einfach… aufhören.
Ein Schwindel zieht durch meinen Kopf.
Das ist es.
Jetzt passiert etwas Schlimmes.
Ich dränge mich an Menschen vorbei. Murmele etwas. Die Luft draußen trifft mich wie ein Schlag, aber sie hilft nicht sofort. Nichts hilft sofort.
Erst nach Minuten, die sich anfühlen wie Stunden, lässt die Enge minimal nach.
Ich sitze im Auto und zittere.
Nicht vor Kälte.
Vor Erleichterung, dass ich noch da bin.
Panikattacke III – Unter Menschen
Jemand spricht mich an. Eine einfache Frage.
Ich verstehe die Worte, aber sie kommen verzögert an.
Mein Mund wird trocken. Mein Hals eng. Ich nicke, obwohl ich nicht sicher bin, was ich gerade bestätigt habe.
Mein Sichtfeld verengt sich. Als würde ich durch ein Rohr schauen. Geräusche sind da, aber sie erreichen mich nicht richtig.
Reiß dich zusammen, sagt eine Stimme in mir.
Eine andere antwortet: Ich kann nicht.
Mein Herz rast. Mein Atem stolpert. Ich habe das Gefühl, beobachtet zu werden, obwohl niemand hinschaut.
Ich lächle.
Das kostet fast alles.
Sobald ich allein bin, breche ich innerlich zusammen. Mein Körper zittert. Meine Beine fühlen sich weich an. Ich setze mich auf den Boden, egal wo.
Die Scham kommt nach der Angst.
Sie kommt immer.
Panikattacke IV – Die Angst vor der nächsten
Die schlimmste Panikattacke ist manchmal nicht die aktuelle.
Es ist die nächste.
Ich verlasse das Haus und mein Körper spannt sich schon an. Ich prüfe meine Atmung, meinen Puls, meine Gedanken. Jeder kleine Stich wird verdächtig.
Ist das der Anfang?
Oder bilde ich mir das ein?
Ich bin dauernd auf der Hut vor mir selbst.
Mein eigener Körper ist kein sicherer Ort mehr.
Das Leben wird kleiner. Nicht auf einmal. Schritt für Schritt. Orte fallen weg. Situationen. Möglichkeiten.
Und niemand sieht es.
Danach
Nach einer Panikattacke bin ich erschöpft. Nicht müde — leer. Als hätte sie alles aus mir herausgezogen, was noch übrig war.
Ich frage mich, wie oft ein Körper das aushält.
Und warum er überhaupt so reagiert.
Manchmal bin ich wütend auf mich.
Manchmal nur traurig.
Manchmal dankbar, dass es vorbei ist.
Und manchmal habe ich Angst, dass es nie wirklich vorbei sein wird.



